TECHNIK
Wie der Singapore Flyer gebaut wurde & wie er funktioniert
Die Geschichte und Technik hinter dem Riesenrad von Marina Bay – seine Dimensionen, sein kontinuierlich drehender Mechanismus und die berühmte, unerwartete Richtungsänderung.
Check dates and availability ↗Ein Riesenrad für die neue Marina Bay
Der Singapore Flyer wurde 2008 auf zurückgewonnenem Land am östlichen Rand der Marina Bay eröffnet – in einem Moment, als das gesamte Uferviertel als prestigeträchtiges Aushängeschild der Stadt neu erfunden wurde. Er kam ein paar Jahre vor dem Marina Bay Sands und den Gardens by the Bay auf den Plan, Teil derselben Welle des Ehrgeizes, die aus einem Arbeitshafen eine ikonische Skyline machte. Mit rund 165 Metern Höhe war er bei seiner Eröffnung das höchste Aussichtsrad der Welt – ein Titel, den er mehrere Jahre lang hielt, bevor anderswo größere Räder gebaut wurden. Die Wahl eines riesigen Aussichtsrads statt eines einfachen Aussichtsturms war bewusst getroffen: Ein langsam rotierendes Rad bietet eine sich ständig verändernde 360-Grad-Perspektive, die eine feste Plattform nicht bieten kann.
Das Ausmaß der Baukonstruktion
Die Zahlen hinter dem Flyer laden zum Innehalten ein. Das Rad selbst hat einen Durchmesser von rund 150 Metern, die gesamte Konstruktion erreicht etwa 165 Meter – vergleichbar mit einem Gebäude von rund vierzig Stockwerken – wobei der Radkranz auf einem dreistöckigen Terminalgebäude am Boden aufsitzt. Achtundzwanzig versiegelte Gondeln sind außen am Kranz befestigt, jede groß genug für eine stattliche Gruppe und hoch genug, um darin zu stehen und umherzugehen. Getragen wird das Ganze von einem Speichenrad, das von einem Gerüst aus Seilen und Streben gestützt wird – konstruiert, um in tropischer Hitze, Monsunwinden und plötzlichen Stürmen starr und stabil zu bleiben. Es ist ein echtes Stück großtechnischer Ingenieurskunst, im Geiste eher einer Brücke verwandt als einer Jahrmarktsattraktion.
Wie ein sich kontinuierlich drehendes Rad funktioniert
Was viele Erstfahrer überrascht: Das Riesenrad stoppt nie. Statt für jede Gondel anzuhalten, dreht sich das Flyer langsam und kontinuierlich – die Gäste steigen im Gehtempo ein und aus, während es an der Einstiegsplattform vorbeigleitet. Die Rotation ist so sanft, dass das Ein- und Aussteigen in Bewegung völlig natürlich und entspannt wirkt. So kann das Rad einen stetigen Besucherstrom aufnehmen, ganz ohne das ruckartige Anfahren und Stoppen kleinerer Fahrgeschäfte. Eine komplette Umdrehung dauert etwa eine halbe Stunde. Antriebsmotoren bewegen den Rand mit dieser präzise kontrollierten Geschwindigkeit, und die außen montierten Gondeln bleiben durch ihre Aufhängung während der gesamten Fahrt aufrecht – der Boden bleibt also immer eben, egal an welcher Stelle des Kreises man sich befindet.
Die Kapseln: versiegelte Räume in den Wolken
Jede Kabine ist praktisch ein kleiner, in sich geschlossener Raum. Vollständig umschlossen und klimatisiert, mit bodentiefem Glas auf allen Seiten und Sitzbänken, sind sie auf Komfort in Singapurs Klima ausgelegt – genau deshalb dreht sich das Riesenrad sowohl in der Mittagshitze als auch bei einem tropischen Regenschauer problemlos weiter. Die Einhausung sorgt zudem für eine ruhige, leise Fahrt, ganz ohne die Windausgesetztheit eines offenen Riesenrads. Da die Kabinen klimatisiert sind und während der Drehung stets waagerecht bleiben, fühlt sich das Erlebnis eher an, als stünde man in einem langsam aufsteigenden Glaskasten, statt eine herkömmliche Attraktion zu fahren. Diese Designentscheidung ist der Kern des Reizes des Flyers: Sie macht die Fahrt zugänglich und entspannt – geeignet für kleine Kinder, ältere Gäste und alle, die es in der Höhe lieber nicht mit starkem Wind zu tun haben.
Die Richtungsänderung
Eine der bekanntesten Eigenheiten des Flyers ist, dass er seine Fahrtrichtung kurz nach der Eröffnung umkehrte. Anfangs drehte sich das Riesenrad in die eine Richtung; innerhalb weniger Monate wurde die Richtung gewechselt, und seitdem läuft es so. Allgemein wird berichtet, dass die Änderung auf Anraten von Feng-Shui-Beratern erfolgte – mit der Idee, dass die neue Richtung das Rad zur Stadt und ihrem Wohlstand hin dreht, statt davon weg. Wie auch immer man diese Begründung gewichten mag: Die Umkehrung ist ein echter und oft erzählter Teil der Geschichte des Flyers und eine nette Anekdote, die man mit Mitreisenden teilen kann, während die Kabine aufsteigt. Sie erinnert daran, dass in Singapur Tradition und hochmoderne Technik oft harmonisch nebeneinander bestehen.
Einen Riesenrad-Giganten in Bewegung halten
Ein Bauwerk dieser Größe erfordert ständige Pflege. Der Flyer wird regelmäßig gewartet und schließt gelegentlich für geplante Arbeiten oder private Veranstaltungen – ein Grund mehr, warum Ihr gebuchtes Datum und Ihre gebuchte Uhrzeit stets die verlässlichen Angaben sind, nicht die allgemeinen Öffnungszeiten. Hinter den Kulissen werden die Antriebssysteme, die Klimaanlagen der Gondeln, die Sicherheitsmechanismen und die Konstruktion selbst kontinuierlich überwacht und gewartet, damit das Riesenrad Tag für Tag zuverlässig in Bewegung bleibt. Für Besucher bleibt dies meist unsichtbar – der Sinn all dieser Technik ist, dass die Fahrt sich mühelos anfühlt. Doch es ist wissenswert, dass die ruhige, sanfte halbe Stunde, die Sie erleben, auf einer massiven, permanent gewarteten Maschine beruht – und dass eine gelegentliche Wartungsschließung ein Zeichen dieser Fürsorge ist, nicht eines Defekts.